Archive for the ‘NZ’ Category

Es war mein bislang größtes Abenteuer: einmal um die Welt, studieren auf der anderen Erdhalbkugel, weit weg von Freunden und Familie… Es war nicht immer leicht. In Erinnerung bleibt allerdings das Positive – es hat mich verändert, es wird mich für immer prägen… Danke für die Unterstützung und diese einmalige Möglichkeit – Danke für viele neue Freundschaften – Danke für eine unvergessliche Zeit…

Und jetzt? Ich bin unglaublich traurig. Ich bin unglaublich glücklich.

JUST THANKS FOR ALL!

The End

Advertisements

New Zealand-ABC

Posted: December 7, 2010 in NZ
Tags: ,

Heute werde ich Neuseeland nach fünf tollen Monaten wieder verlassen – ein sehr trauriger Tag. Ob ich jemals wieder zurückkommen werde, steht in den Sternen. Wenn es nach mir geht auf jeden Fall: ich habe das Land und die Leute nämlich lieben gelernt.

Was bei mir wirklich hängen geblieben ist, zum Abschluss in Form eines Neuseeland-Alphabets…

A - AotearoAotearoa: Maori-Name für Neuseeland (bedeutet soviel wie “The land with the long white cloud”), Maori sind die Ureinwohner Neuseelands und selten zuvor habe ich in einem Land einen so respektvollen Umgang mit der Vergangenheit und der Herkunft der eigentlichen Bewohner gesehen, zahlreiche Maori-Begriffe (wie etwa “Kia ora” für “Hallo”) gehören zum normalen Sprachgebrauch und viele Orte haben auch Maori-Namen, heute bezeichnen sich etwa 15 Prozent aller Neuseeländer als Maori – Tendenz übrigens wieder steigend

B - BBQBBQ: egal ob im öffentlichen Park oder am Strand – Barbecue (oder einfach Grillen) ist die Wochenend-Lieblingsbeschäftigung der Kiwis, dabei kommt die ganze Familie zusammen und genießt den Nachmittag oder Abend im Freien – Freunde sind immer gerne gesehen, zu essen gibt es meistens irgendwelche Würstchen (für Europäer nicht sonderlich schmackhaft) auf einfachem Toastbrot und mit Tomatensauce (nicht Ketchup!)

C - Cook, JamesCook, James: der englische Seefahrer gilt als Entdecker Neuseelands, er hat das Land umkreist, erforscht, den ersten Kontakt mit den Maori aufgenommen – und für England in Anspruch genommen, daher haben sehr viele hier Wurzeln in Europa (vor allem England und Irland), vor James Cook hat übrigens bereits Abel Tasman (ein Holländer) entdeckt, er traute sich aber nicht auf das Land, seit 1986 ist Neuseeland unabhängig – aber weiterhin Mitglied im Commonwealth of Nations, daher ist auch Queen Elizabeth das Staatsoberhaupt

D - DollarDollar: der Neuseeland-Dollar ist die Währung Neuseelands und fällt gleich mal durch die durchsichtigen Fenster in den Banknoten auf, Queen Elizabeth II ziert übrigens den 20-Dollar-Schein und die Münzen – wie auch in Australien (deren Banknoten sind übrigens hübscher), die kleinste Münze ist übrigens die 5-Cent-Münze (im Supermarkt oder beim Einkaufen werden alle Beträge schlussendlich auf 5er-Cent gerundet), der Umrechnungskurs liegt derzeit bei etwa 1:1,75 – für einen Euro bekommt man also 1 Dollar 75 Cent

E - EftposEFTOPS: so wird das neuseeländische elektronische Zahlsystem (wie Maestro) genannt und ist extrem weit verbreitet, in keinem anderen Land der Welt gibt es so viele Terminals pro Kopf wie in Neuseeland – fast überall sind die kleinen Geräte zu sehen, auch beim Weggehen ist es total üblich mittel EFTPOS (das eigentlich ein Markenname ist – verhält sich ähnlich wie mit “Uhu” oder “Tixo”) zu bezahlen, Plastikgeld ist das Zahlungsmittel Nummer eins und viele Kiwis haben selten viel Bargeld dabei

F - Fish'n'ChipsFish’n’Chips: steht für die “Esskultur” der Kiwis, die sich nicht besonders von der englischen abhebt: Fish&Chips, Pies (kleine, warme Teigtörtchen die mit Fleisch oder anderen Zutaten gefüllt sind) und haufenweise Eier zum Frühstück – aber wenigstens die Backed Peans haben sie ausgelassen – alles in allem, nichts was man versäumen würde (zum Glück gibts haufenweise ausländische Restaurants), am liebsten essen die Kiwis zwischendurch irgendwo und “takeaway” – aber zumindest das Bier schmeckt (meiner Meinung nach) hier besser

G - GrassGrass: ein großer Garten und gepflegter Rasen sind Statussymbole, der Rasen (wenn auch nur zehn Quadratmeter) wird mindestens einmal pro Woche gemäht (das Gras bleibt einfach liegen, daher ist Gras an den Schuhen nichts ungewöhnliches), Regen hält hier übrigens niemanden davon ab den Rasen zu mähen (die Erklärung eines Kiwis: wenn wir immer auf Schönwetter warten würden, könnten wir nie den Rasen mähen – dem kann ich nur zustimmen),

H - HakaHaka: ist der ursprüngliche Kriegstanz der Maori, mit weit rausgestreckten Zungen und lauten Schreien konnten so Feinde in die Flucht geschlagen werden – das ist kein Scherz, wir hatten so einen Haka als Begrüßung auf der UNITEC, der jagt einem wirklich Angst ein, den berühmtesten Haka gibt es übrigens von den “All Blacks” (siehe Rugby) – vor jedem Länderspiel zelebrieren die Spieler diesen Tanz, das hat zuletzt für große Diskussionen gesorgt – einige Nationen finden das nicht mehr zeitgemäß

I - ImmigrationImmigration: Neuseeland ist ein Land der Einwanderer, nur mehr 15 % der heutigen 4,3 Millionen Einwohner sind Maori, etwas mehr als 75 % kommen ursprünglich aus Europa – größtenteils aus England und Irland, aber auch Italiener, Deutsche und Holländer hat es nach Neuseeland gezogen, rund 7 % sind von den Pacific Islands, in den letzten Jahren hat vor allem die Immigration aus Asien stark zugenommen: derzeit sind es etwa 10 %, 2026 sollen es bereits 18 % sein

J - JandalsJandals: steht zum einen für das sehr eigene Neuseeland-Englisch (es gibt sehr viele Wörter, die nur in New Zealand verwendet werden – zB Jandals für Flip-Flops, auch ist der Dialekt sehr eigen – aber keineswegs schwer zu verstehen) und auch für die sehr eigenartigen Schuhvorlieben der Kiwis: entweder Jandals oder Gummistiefel – am liebsten aber Barfuß, Jahreszeit und Temperatur spielen bei der Schuhwahl übrigens Rolle, Jandals sind auch im Winter (am besten in Kombination mit kurzer Hose und dicker Winterjacke) höchst modern

KiK - Kiwiwi: der Kiwi (nicht die Frucht – die wird als Kiwifruit bezeichnet) ist ein Vogel, der nur mehr in Neuseeland vorkommt – er ist nachtaktiv, sehr scheu und kann nicht fliegen, dieses mysteriöse Tier ist Nationalsymbol der Neuseeländer (die sich deshalb selbst auch am liebsten als Kiwis bezeichnen) und steht in diesem ABC auch für die einmalige Flora und Fauna Neuseelands (viele Pflanzen und Tiere kommen aufgrund der isolierten Lage nur in Neuseeland vor), die Umwelt drohte bereits mehrere male durch importierte Tiere, Samen, etc. zu kollabieren – daher gibt es ein ganz strenges Bio-Procedere bei der Immigration

L - Lord Of The RingsLord of the Ring: der neuseeländische Regisseur Sir Peter Jackson hat mit den “Herr der Ringe”-Filme die erfolgreichste Filmtrilogie aller Zeiten zu verantworten, die wunderbaren Landschaftsaufnahmen wurden alle in Neuseeland gedreht (zu Recht!), dieses Millionen-Projekt hat zahlreiche Jobs geschaffen und auch der Filmindustrie Auftrieb gegeben (die Kiwis sind sehr stolz auf “Herr der Ringe”), nach einigen Unstimmigkeiten mit der Produktionsfirma wird auch das nächste Großprojekt “Der Hobbit” in Neuseeland gedreht – die Regierung hat dafür eigene Steuerbegünstigungen und Gesetzesänderungen durchgeboxt

M - MailboxesMailboxes (Briefkästen): je ausgefallener, desto besser – die Zeitschrift “North & South” veranstaltet sogar einen jährlichen Wettbewerb für die kreativsten Briefkästen Neuseelands, die ausgefallenen Mailboxes fallen einem Reisenden hier als erstes auf und sind vor allem auf dem Land besonders weit verbreitet, da werden alte Plastikcontainer, Milchkannen, ausgehöhlte Baumstämme und sogar Mikrowellen in Briefkästen umgewandelt

N - Naked & FamousNaked & Famous: eine höchst erfolgreiche neuseeländische Musikband (unter anderem mit dem Debütsong “Young Blood” auf Nummer eins der NZ-Charts eingestiegen), die neuseeländische Musikszene ist übrigens sehr aktiv und erfolgreich – auch in Australien sind die Kiwi-Musiker bestens bekannt und stürmen die Charts, andere weltweit bekannte Gruppen sind zum Beispiel OMC oder Crowded House

O - One NewsOne News: sind die Hauptnachrichten des staatlichen Fernsehsenders “TV One” und laufen jeden Abend zwischen 18:00 und 19:00 Uhr, Fernsehnachrichten sind in Neuseeland übrigens von Werbepausen unterbrochen und haben einen deutlich höheren Magazin-Charakter als in Österreich, neben dem staatlichen Fernsehen(mit insgesamt vier Kanälen) gibt es einen weiteren privaten, sehr erfolgreichen Anbieter: TV3 (mit zwei Kanälen)

P - PacificPacific: Neuseeland liegt mitten im Pazifik und ist von Wassermassen umgeben, für mich war der erste Blick auf den Globus etwas erschreckend (Reaktion: “da ist ja nur Wasser!”), das Meer vor der eigenen Haustür hat aber auch sehr viele Vorteile: Fisch und Nahrungsmittel, Tourismusmöglichkeiten (die Erde hat Neuseeland mit unglaublich schönen Stränden und Küsten belohnt), die Eigenständigkeit – dafür aber auch Abgeschiedenheit, wer von Neuseeland weg will muss am kürzesten Weg nach Australien (und das sind auch mindestens drei Stunden Flugzeit)

Q - QueenstownQueenstown: wenig Indoor-Aktvitäten, dafür um so mehr Sport und viel Action zeichnet die Kiwis aus, vielleicht auch genau deswegen wurde Bungee Jumpen in Neuseeland erfunden, genauer gesagt in Queenstown – “the world-adrenaline-rush-capital” (© Lonely Planet), Queenstown auf der Südinsel ist bekannt für immer neue und ausgefallenere Extrem-Sportarten – und eine große Partyszene

R - RugbyRugby: keine Sportart ist den Kiwis so heilig wie Rugby, die “All Blacks” (Nationalmannschaft) sind derzeit in einer absoluten Formhoch und haben nächstes Jahr eine Heim-WM zu bestreiten, Sport ist übrigens ein sehr wichtiger Teil der neuseeländischen Kultur (Rugby, Netball, Cricket, Fußball, etc.) – dementsprechend intensiv und lang ist etwa auch die Sportberichterstattung in den Medien (TV, Radio und vor allem in den Zeitungen)

S - Southern CrossSouthern Cross: ist Teil der neuseeländischen Fahne (vier rote Sterne mit weißem Rand auf der rechten Seite der blauen Flagge, links oben ist der Union Jack von Großbritannien als Symbol für den Commonwealth of Nations zu sehen) und ein Sternbild, dass nur auf der südlichen Hemisphäre zu sehen ist, auch in der australischen Fahne ist das Southern Cross enthalten (allerdings mit allen fünf Sternen)

T - TourismTourismus: wenn die Kiwis in einer Sache Weltmeister sind und Auszeichnungen bekommen sollten dann im Tourismus, das Land mit seiner Schönheit und Einzigartikeit ist Exportgut Nummer Eins, dabei schaffen die Kiwis es auch so gut wie alles (!) zu vermarkten oder als Attraktion anzupreisen um daraus Geld zu schlagen (Australien im Vergleich dazu versagt), jeder Tourismus-Manager sollte daher mindestens eine Exkursion nach Neuseeland machen um zu lernen wie erfolgreich Landschaft und ein Land vermarktet werden kann

U - UNITECUNITEC: meine Uni (eigentlich nur ein Institute) an der ich studiert habe, Bildung ist in Neuseeland übrigens sehr teuer: pro Semester sind Gebühren zwischen 3.000 und 4.000 Euro fällig, viele können sich ein das Studium meist nur über einen Kredit leisten, der dann nach dem Abschluss mühsam abbezahlt werden muss, daher gehen viele Kiwis nach der Ausbildung nach Australien da dort das Lohnniveau deutlich höher ist (Unis kosten dort auch deutlich mehr)

V - Virgin BlueVirgin Blue: eine australische Billigfluglinie, die auch Neuseeland bedient und unter anderem Inlandsflüge anbietet (die ich deutlich besser als JetStar finde – aber natürlich geht nichts über die Air New Zealand), Fliegen ist aufgrund der Größe des Landes übrigens sehr beliebt und auch günstig – Inlandsflüge wie auch Flüge nach Australien sind oft zu Spottpreisen zu bekommen, Neuseeland gehört übrigens zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Flughäfen und -plätzen pro Einwohner

W - Warrant Of FitnessWOF (oder “Warrant Of Fitness”): ist das “Pickerl” fürs Auto und einmal im Jahr fällig, Das Auto-Anmelden ist übrigens eine zwei-Minuten-Angelegenheit und wird am Postamt (!) erledigt, der neuseeländische Verkehr übrigens sehr Auto-fokussiert: pro Einwohner ist ungefähr ein Auto/LKW registriert (in Österreich liegt die Rate nur bei 72 %) und öffentliche Verkehrsmittel sind schlecht entwickelt (es gibt zB nur drei Überland-Eisenbahnlinien und die Bahnen sind meistens noch nicht elektrifiziert)

X - X-MasX-Mas: Weihnachten auf der Südhalbkugel ist anders, statt Schnee und Glühwein gibt es Strand und BBQ, gefeiert wird vor allem im Kreise der Familie – viele nehmen sich von den Feiertagen an bis Ende Jänner überhaupt frei, um den Sommer so richtig genießen zu können, es dürfte überhaupt sehr ruhig sein – so hat das Eisenbahnnetz über Weihnachten etwa total geschlossen, interessanterweise wird Weihnachten auch hier immer mit Weihnachtsbäumen, Schnee, Rentieren, etc. verbunden – die Deko ist übrigens sehr üppig und kitschig

Y - YHAYHA: ist nur eine von vielen Hostel-Ketten, die günstige Unterkünfte (meist auch “Backpacker” genannt) anbieten, diese Backpacker sind im ganzen Land zu finden – wie Neuseeland generell sehr vom Tourismus abhängig ist, bereits jeder vierte Job hat mit dem Tourismus zu tun, besonders beliebt ist das Land mit den vielen Reisemöglichkeiten und der einmaligen Landschaft übrigens bei “jungen Weltentdeckern” und der “älteren Generation” (ja es stimmt: vor allem Deutsche sind besonders oft anzutreffen)

Z - ZMZM: so nennt sich nur einer von vielen neuseeländischen Radiosendern (in Auckland auf 91,0 FM), ZM, MoreFM und TheEdge haben mich in den letzten Monaten begleitet, Unterschied zu österreichischen Sendern gibt es wenige – es wird nur mehr gequatscht (was weniger Musik bedeutet) und die meisten Sender haben Doppelmoderatoren zu den Hauptsendezeiten (Morning Show, Drivetime), die großen Sender sind übrigens landesweit auf unterschiedlichen Frequenzen zu hören und haben auch lokale Werbefenster – und fast alle gehören zu einer der beiden riesigen Senderketten

Weiter geht die Reise auf der Südinsel Richtung Norden, zum Abschluss steht auch noch ein Besuch in der Hauptstadt Wellington am Programm…

Tag 7 (29. November):
Strecke: Haast-Fox Glacier-Franz Josef (175 km)

Die Nacht in der Einöde war die oft zitierte Ruhe vor dem Sturm – ein aufregender Tag steht bevor: Für die Autofahrt zum Gletscher organisieren wir uns etwas Unterhaltung und nehmen einen Anhalter mit. Sebastian aus Deutschland muss als Gesprächspartner für kommenden zwei Stunden herhalten. Da der Rucksacktourist ein Studium in Wien plant, gehen die Themen nicht aus. Nach dem vorzüglichen Frühstück bei einer Lachsfarm sind wir gerüstet für den Anstieg zum unteren Ende des Gletschers des Fox Glaciers, einem der beiden großen neuseeländischen Gletscher. Heimatgefühle werden dann bei der zweiten großen Eisfläche wach – sie ist nach dem österreichischen Kaiser Franz Josef benannt. Ein Naturschauspiel der Extra-Klasse nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Das Abenteuerlust ist aber noch nicht gestillt, wir entscheiden uns für einen Helikopterflug über die Kiwi-Alpen samt Landung auf dem Gletscher. Gewaltige Eindrücke, wendige Flugmanöver über den Gipfeln und eine Schneeballschlacht in kurzer Hose machen diesen Tag unvergesslich. Entspannt wir am Abend in den “Glacier Hot Pools” des neuen Spas.

Tag 07 - Fox Glacier

Tag 8 (30. November):
Strecke: Franz Josef-Hokitika-Greymouth-Punakaiki-Greymouth-Lake Brunner-Arthur’s Pass (384 km)

Der letzte November-Tag wird für den Fahrer zum Tag der Arbeit: Fast 400 Kilometer spulen wir ab, aber das Land der Maori will erkundet werden. Noch vor dem Frühstück besuchen wir ein Goldgräber-Museum in Ross, die erste Pause wird dann in Hokitika eingelegt – mit dem putzigen Uhrturm wird diese Stadt zum Graz von Neuseeland. Gegen Mittag erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Südinsel-Rundfahrt, Punakaiki mit den berühmten Pancake Rocks. Wind und Wasser haben die Steine über Jahrhunderte geformt, so dass sie heute aussehen wie übereinander gestapelte Palatschinken. Am späten Nachmittag wird am Lake Brunner relaxt, für uns wurde eine ganze Bucht reserviert und wir können ungestört die Sonnenstrahlen genießt. Der anstrengendste Teil des Tages steht aber noch bevor: die Suche nach einer Unterkunft. Zwar wird etwa alle 30 Kilometer eine Herberge angepriesen, tatsächlich handelt es sich aber um leerstehende oder verschlossene Häuser. Deshalb werden wir erst am Arthur’s Pass fündig und beziehen in der höchstgelegenen Siedlung Neuseelands (924 Meter Seehöhe) unser Quartier. Mit einer netten Schweizer Familie am Nebentisch genießen wir fast einen innereuropäisch-alpinen Abend. Dabei vergessen wir aber nicht auf die österreichische Ehre und markieren Wien auf der großen Weltkarte, auf der sich alle Gäste verewigen. Übrigens der erste Pin in der Alpenrepublik.

Eine magische Grenze wurde an diesem Tag auch überschritten: Wir sind an unserem zweimillionsten Schaf vorbeigefahren. Wenn man bedenkt, dass es ungefähr 50.000.000 Stück der Wolllieferanten gibt, kennen wir also nur einen kleinen Teil. Auch eine Gemeinsamkeit mit der Heimat ist uns aufgefallen: In Neuseeland soll es laut Zählungen knapp acht Millionen Rindviecher geben, ist das in Österreich nicht auch so?

Tag 08 - Pancake Rocks

Tag 9 (1. Dezember):
Strecke: Arthur’s Pass-Springfield-Christchurch (179 km)

Nach den Tagen in der einsamen Wildnis nehmen wir Kurs auf Christchurch. Unser Auto, das in den vergangenen Tagen recht zuverlässig war, möchte uns aber noch ein kleines Abschiedsgeschenk machen. Nachdem wir den linken Blinker mit Super-Klebemasse befestigt haben, verabschiedet sich nun der rechte Blinker. Doch auch hier hilft das Wundermittel.
In der Zivilisation angekommen beziehen wir ein Hotel in bester Lage. Wir residieren direkt am Domplatz mit bestem Blick auf die belebte Innenstadt. Für die Sightseeing-Tour wählen wir den bequemen Weg und fahren mit der Gondel auf den Hausberg der Erdbeben-Stadt. Zur Erkundung der Stadt benutzen wir die historische Tram samt interessanten Erklärungen und Bemerkungen des Fahrers. Auch das neuseeländische Nationaltier (der Kiwi, falls es jemand noch nicht wissen sollte) wollten wir hier bestaunen. Leider hat die gute Dame aber für Nachwuchs gesorgt – ein Besuch des Geheges war daher leider nicht möglich.

Tag 09 - Arthur's Pass

Tag 10 (2. Dezember):
Strecke: Christchurch (24 km), Flug Christchurch-Wellington

Tag der Wahrheit zu Ende unseres Christchurch-Besuchs: Nach einem mehr als ausgiebigen Frühstück in der Kantine eines Ministeriumsgebäudes (“Drexels Breakfast Restaurant”) müssen wir unseren mittlerweile geliebten Toyota zurückgeben. Mit vereinten Kräften und unserem ganzen Charme schaffen wir es, die nette Dame vom einen oder anderen Kratzer abzulenken und das Loch im Blinkerglas unsichtbar zu machen. Fazit: Das Fahrzeug kommt nach der 2400 Kilometern langen Rundfahrt im perfekten Zustand zurück!

Vor dem Abflug nach Wellington besuchen wir noch das nahe dem Flughafen gelegene Antarktis-Museum. Hier erfahren wir viele interessante Details über die internationalen Erkundungsmissionen in der Südpol-Region. Im 4-D-Kino machen wir uns sogar selbst auf den Weg zum eisigen Kontinent – Wasserspritzer und kalter Wind inklusive. Eine Geländefahrt mit dem Amphibienfahrzeug Hägglunds samt Überquerung eines tiefen Wasserbeckens stillt die Abenteuerlust an diesem Tag.

Tag 10 - Hägglunds

Tag 11 (3. Dezember):
Strecke: Wellington (0 km)

Die Hauptstadt Neuseelands begrüßt uns mit herrlichem Sommerwetter. Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt, der Fahrt mit der Standseilbahn auf den Aussichtsberg sowie einer Führung durch den Regierungskomplex und das Parlament lernen wir einige schöne Seiten der Stadt im Süden der Nordinsel kennen. Der Hafenspaziergang und eine Bootsfahrt durch die Buchten der Stadt lassen einen sonnigen Nachmittag ausklingen.

Dass Gesetze aber selbst das entspannte Leben der Kiwis erschweren, können wir in Wellington auf witzige Weise kennenlernen. Der Gastgarten eine Lokals im Hafen ist durch einen kleinen öffentlichen Platz getrennt. Weil das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit aber verboten ist, wird eigenes Personal eingestellt, um Personen vom einen Teil des Gastgartens in den anderen zu begleiten und ihnen die Getränke über die Strecke von 20 Metern zu tragen. Crazy Kiwis!

Tag 11 - Wellington (Beehive and Houses Of Parliament)

Tag 12 (4. Dezember):
Strecke: Wellington (0 km), Flug Wellington-Auckland

Das Neuseeland auch ein wirklich außergewöhnliches Land ist, wird uns beim Besuch des Nationalmuseums in Wellington einmal mehr gezeigt. Bei freiem Eintritt wird einem das Land der Maori und Kiwis von der Entstehung bis zu jüngsten politischen Entscheidungen in vielen kleinen Abschnitten erklärt. Viele Mitmach-Stationen machen selbst einen Museumsbesuch zum Erlebnis.

Es weihnachtet schon sehr: Am Flug nach Auckland werden wir von Air New Zealand mit Weihnachtsliedern verwöhnt. In kurzen Hosen und mit Blick aufs Meer eine für Österreicher doch recht ungewöhnliche Situation.

In Auckland endet dann auch unsere zwölftägige Rundreise. Ein grandioser Trip mit prägenden Eindrücken, beeindruckenden Landschaften, interessanten Personen und abenteuerlichen Überraschungen. Was zu all dem noch bleibt ist Zufriedenheit und das Gefühl eines unvergesslichen Erlebnisses!

Die letzten Tage in Neuseeland sind angebrochen. Mittlerweile bin ich gemeinsam mit meiner österreichischen Begleitung (ich freu mich wirklich über diesen Besuch) auf der Südinsel unterwegs – die folgenden Blogeinträge entstehen gemeinsam…

Tag 1 (23. November):
Strecke: Auckland (0 km)

Die Verstärkung aus Österreich kommt in Auckland an – das Abenteuer kann also beginnen! Und das tut es auch gleich in den ersten Minuten. Nicht einmal vom knallgelben Crew-Schild und den vielen Flughafen-Aufklebern abgeschreckt wird der Koffer der Chefstewardess geschnappt. Die Verwechslung wird knapp vorm Einsteigen in den Bus bemerkt. Einen peinlichen Umtausch und viele unterwürfige Entschuldigungen bei der betroffenen Mitarbeiterin von Air New Zealand später sind wir nach einer weiteren kleinen Weltreise endlich am Campus angekommen. Der Gast aus der Heimat bekommt sogar sein eigenes Zimmer.

Stadttour, Fahrt auf den Skytower, Rundgang durch den Hafen sowie der Besuch der Lieblingslokale mit köstlichem Bier runden Tag Eins im Süden der Welt ab.

Tag 2 - Blinker-Reparatur

Tag 2 (24. November):
Strecke: Flug Auckland-Queenstown, Queenstown-Five Rivers-Moosburn-Te Anau (186 km)

Tag Zwei beginnt gleich mit einem Schock: Als locker-lässige Studenten (schließlich wohnt man ja am legendären Campus) machen wir uns erneut auf den Weg zum Flughafen – Queenstown wartet auf uns. Der strenge Schaffner schenkt selbst der Langzeit-Studenten-Version keinen Glauben, knallhart wird eine Aufzahlung vom günstigeren Ticket verlangt. Ob die grauen Strähnen doch schon zu viel sind?

Reibungslos dann der Flug zum International Airport der 10.000 Einwohner-Stadt Queenstown. Nach der Gondelfahrt auf den Hausberg mit wunderbarem Ausblick auf Stadt und See gehts mit dem gemieteten Toyota Richtung Te Anau. Auf halber Strecke nimmt der Fahrer dann den Kampf mit einem Vogel auf. Das Ende: Vogel tot, linker Blinker hängt aus der Halterung. Ein Pflaster kann schnell Abhilfe schaffen.

Die erste Nacht ist in einer Jugendherberge geplant: Um als bequeme “Koffer-Touristen” nicht mit bösen, schiefen Blicken bestraft zu werden, lassen wir die großen Taschen lieber im Auto. Die nötigsten Utensilien werden im Schutz der Dunkel in den kleinen Outdoor-Rucksack umgepackt und mit diesen selbstbewusst die Herberge zu betreten. Das Schnösel-Image konnten wir so erfolgreich versteckt halten.

Tag 3 - Milford Sounds

Tag 3 (25. November):
Strecke: Te Anau-Milford Sounds-Te Anau-Manapouri-Clifden-Riverton-Invercargill (435 km)

Tag Drei beginnt noch bei Dunkelheit – schließlich fängt der frühe Vogel den Wurm und wir wollen vor den Touristenbussen auf der Straße Richtung Milford Sound sein. Die Mühen der langen und anstrengenden Autofahrt werden mit einer beeindruckenden Landschaft und einem grandiosen Ausblick auf die Mächtigkeit der Natur belohnt. Das lahme Auto wird bei der Berg- und Talstrecke an seine Grenzen gebracht, der Mensch in der Maschine überschreitet sie sogar. Einen Kilometer fahren wir durch einen schmalen, unbeleuchteten, steilen und ungesicherten Tunnel mit kleinen Wasserfällen – als mutige Männer geben wir ein mulmiges Gefühl zu. In Wahrheit waren wir über jeden einzelnen Haltegriff im Auto froh.

Die Rück- und Weiterfahrt in die idyllische (industriell geprägte) Kleinstadt Invercargill (mit nur Ein-Stock-hohen Häusern) gestaltet sich entspannter. Viel aufregender dann die Suche nach einem offenen Lokal in der 50.000-Einwohner-Stadt. Nach 20 Minuten Fußmarsch taucht dann endlich ein Irish-Pub auf, zum Abendessen gibts auch die erste Lektion in Kiwi-Culture auf dem Präsentierteller. Fazit: Schon um 21 Uhr betrunkene und relativ laut sprechende Einheimische, nackte Füsse oder Schuhe auf Lokaltischen und interessierte Fragen an die Touristen gehören einfach dazu.

Kleiner Nachtrag zum Kampf mit dem Vogel: Seinen letzten Sieg durfte das Federvieh nicht mehr miterleben. Auf der Fahrt Richtung Süden haben wir den Blinkerkasten verloren. Nach der Suche im Straßengraben hilft jetzt wohl nur mehr Super-Kleber!

Tag 4 - Starbucks Invercargill

Tag 4 (26. November):
Strecke: Invercargill-Fortrose-Slope Point-Papatowai-Owaka-Nugget Point-Balclutha-Dunedin (300 km)

Tag Vier der Kiwi-Tour beginnt nachdem wir alle Utensilien für die Blinkerreparatur besorgt hatten mit einem Frühstück im südlichsten Starbucks der Welt (Invercargill). Gut gestärkt führt uns der kurvige Weg entlang der Südküste bis zum südlichsten Punkt Neuseelands – dem Slope Point. Nur mehr 4800 Kilometer vom Südpol entfernt präsentiert sich die Welt in einer ganz anderen Dimension: Der unendliche Blick übers Meer – ist dort wirklich das Ende der Welt?

Durch weite grüne Täler, steile Hügel und entlang von Meerbuchten fahren wir weiter zum Nugget Point, dem Süd-Ost-Zipfel der Südinsel. Auch Seelöwen müssen den Ausblick um den kleinen Leuchtturm genießen, viele von ihnen nutzen die dortigen Felsen als Ruheplätze.

Auf der Reise entlang der Küste werden auch das erste Mal kleine Heimatgefühle wach. Wir machen Rast bei einer Aussteigerin aus Salzburg (in “Niagara Falls”), die und vorzüglich versorgt. Mit den vier Wiener am Nachbartisch entwickelt sich sogar ein Gespräch, das aber nach einer einzigen Frage schon wieder zu Ende ist: “Aus welchem Bezirk kummts ihr denn?”

Den Abend und die Nacht verbringen wir in einem historischen Hotel in Dunedin im Osten der Insel. Lektion 2 in Kiwi-Culture steht beim Weggehen auf dem Programm – das Thema der mehrstündigen Studie: Das Tanz- und Balz-Verhalten der jungen Kiwis am Freitagabend. Fazit: Junge Damen tragen hohe Stöckelschuhe, die Burschen Flip-Flops oder Wanderschuhe – und: total besoffen sein ist auch hier ab 21 Uhr salonfähig!

Tag 5 - Alexandra

Tag 5 (27. November):
Strecke: Dunedin-Otago Peninsula-Dunedin-Milton-Raes Junction-Roxburgh-Alexandra-Cromwell-Queenstown 373 km

Der nächste Tag sollte ohne weitere Blinker- und Auto-Zwischenfälle über die Bühne gehen (die vorläufige Reparatur mit Isolierband besteht den Härtetest) – auch im Nebel. Den Morgen von Tag Fünf verbringen wir nämlich auf der so schönen Otago Peninsula direkt bei Dunedin. Der Nebel versperrt jegliche Sicht auf Meer oder Landschaft und erinnert sehr an das österreichische November-Wetter.

Dafür erklimmen wir lieber die steilste Straße der Welt (Baldwin Street in Dunedin), deren Gehsteige sogar als Stufen ausgeführt sind. Manche Touristen kommen dorthin, gehen 50 Meter nach oben, geben auf (oder müssen aufgeben) und lassen sich dort fotografieren.

Die Tour selbst geht jetzt zurück in den Westen der neuseeländischen Südinsel, unser Ziel ist der Ausgangspunkt Queenstown. Wir wählen dafür die Hauptverbindung über die Motorways 1 und 8 – es geht schnell voran, dafür gibt es aber auch nicht viel zu sehen. Zwischen Roxburgh und Alexandra werden wir dann angenehm überrascht: Stauseen und Dämme prägen die wunderschöne Landschaft, einmalige Felsformationen sind bei Alexandra zu sehen (diese Strecke kann ich nur empfehlen).

Den Abend verbringen wir dann in der Adrenalin-Hauptstadt Queenstown und müssen am Samstag Abend (!) um 1:00 Uhr gelangweilt wieder abziehen – tote Hose in allen Clubs. Sehr Schade, die Stadt selbst ist aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

Tag 6 - Lake Wanaka

Tag 6 (28. November):
Strecke: Queenstown-Cardrona-Wanaka-Haast Pass-Haast (228 km)

Die langen Tage und kurzen Nächte fordern ihr Opfer: es wird der erste ruhige Tag eingelegt. Ausgiebiges Frühstück mit Blick über den See (Queenstown) und bereits nach 50 Kilometern der erste Zwischenstopp in Wanaka. Dort wird die Mittagszeit – wieder einmal – am See in der Sonne (oder je nach Vorlieben im Schatten genossen). Als Belohnung winkt ein kleiner Snack und ein Eis.

Die Stärkung hatten wir auch dringend notwendig, im Labyrinth des Wanaka Puzzle House haben wir locker fünf Kilometer abgespult und dabei alle vier farbigen Türme gefunden. Die Aufgabe war somit erfüllt, nur den Ausgang haben wir nicht mehr gefunden. Dass wir über den Notausgang verschwunden sind, hat glücklicherweise niemand bemerkt.
Danach wird die erste Überquerung der neuseeländischen Alpen (Haast Pass) in Angriff genommen, auch auf diesem Weg werden wir wieder mit traumhaften Aussichten belohnt. Nicht umsonst hat mal jemand geschrieben: “Mit dem Auto in Neuseeland unterwegs zu sein funktioniert wie Fernsehen – einfach da sitzen und das tolle Programm genießen.”

Mit dem Programm war dann allerdings bald Schluss – die Ruhe des ganzen Tages wurde am Abend unfreiwillig verlängert. Im 300-Einwohner-Ort Haast sperrt die Dorfkneipe nämlich um 21 Uhr zu. Unser Flehen nach zwei schnellen Abschlussgetränken wurde mit vehementen Kopfschütteln abgelehnt. Unter den 100 Hirschgeweihen an Decke und Wänden war der böse Blick der Kellnerin ziemlich einschüchternd und wir haben uns in die Wildnis verabschiedet, um Fuchs und Hase gute Nacht zu sagen.

Weiterer Plan:

In den nächsten Tagen geht es an der Westküste Richtung Norden (vorbei an den Gletschern) bis Punakaiki, von dort dann über den Arthurs Pass nach Christchurch. Anschließend steht noch Wellington und Auckland am Programm…

Southern Christmas

Posted: November 23, 2010 in Australia, NZ
Tags: , ,

Auch wenn es für mich noch total unwirklich ist: Weihnachten steht vor der Tür. Lange Tage, Sonnenschein und bis zu 30 Grad sind nicht gerade förderlich, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. So ist das aber nun einmal auf der südlichen Erdhalbkugel. Hier wird Weihnachten im Sommer gefeiert, meistens beim BBQ mit der Familie irgendwo im Freien (am besten am Strand).

Weihnachten ist natürlich auch hier in Neuseeland (und in Australien) ein “Fest” des Handels – und fällt dabei besonders kitischig aus. Ich bin wirklich etwas überrascht von der Intensität und Aufdringlichkeit der Weihnachtsdeko und den vielen blinkenden und grellen Beleuchtungen (die hässlichste übrigens am House of Parliament von New South Wales in Sydney). Der Höhepunkt war für mich bisher der riesige mit Swarovski-Kristallen geschmückte Christbaum, der über drei Stockwerke im Queen Victoria Building in Sydney reicht (hier im Bild links – man sieht nur den obersten Teil, zwei Drittel fehlen!). So stelle ich mir Weihnachten übrigens auch in den USA vor, davon werde ich mich ohnehin noch selbst überzeugen können.

Wo ich jetzt so darüber nachdenke, freue ich mich doch schon auf Weihnachten – wieder zu Hause und im Winter (hoffentlich finde ich noch Zeit vorher auf den Spittelberg zu gehen).

Southern Christmas

Studying in New Zealand

Posted: November 13, 2010 in NZ, Study
Tags: , , , ,

Ein anderes Land, eine andere Uni und andere Lektoren – dieses Semester in Neuseeland sollte vollkommen anders werden. Dabei bin ich an der UNITEC vor allem mit einer vollkommen anderen Methode des Lernens konfrontiert worden und bekam erstmals wirklich hilfreiches Feedback zu meiner Arbeit. Heute passend zum Semesterschluss mehr über das abgelaufene Semester…

Studying UNITEC

Ablauf: Das Studium an der FH in Wien ist in viele kleine Stückchen (14 verschiedene Lehrveranstaltungen pro Semester) zerteilt, mit abschließenden Prüfungen und überschaubarem Lernumfang (weil kleiner). In Neuseeland sind vier Kurse schon das Maximum pro Semester – nach sechs Semestern (mit voller Credit-Anzahl) ist der Bachelor erreicht.

Kursaufbau und Benotung: Jeder einzelne Kurs besteht aus drei bis fünf Arbeiten, die gemeinsam die Note ergeben. Nur mehr sehr selten sind diese “Arbeiten” Prüfungen. Ich hatte nur eine, diese war 30 % der Gesamtnote wert und musste bestanden werden. Die restlichen Arbeiten sind Assignments (schriftliche, meist Einzel-Arbeiten) zu vorgegebenen Themen: entweder als Businessreport oder Essay abzugeben. Priorität liegt auf der individuellen Arbeit (unterstütztes Selbststudium) mit wenigen Gruppenarbeiten.

Vorlesungen und Anwesenheit: Die Benotung basiert ausschließlich auf den Assignments und nicht an der Teilnahme von Lehrveranstaltungen – es gibt keine Anwesenheitspflicht (an der FH-Wien verfällt bei einer Anwesenheit unter 75 % der Lehrveranstaltung einer von drei Prüfungsantritten). Es kann schon vorkommen, dass Studenten kein einziges Mal in der Vorlesung waren und trotzdem eine gute Note bekommen. Die Sinnhaftigkeit dieser “Lernmethode” und Benotung muss ich allerdings bezweifeln. Vorlesungen, Diskussion und der Input von Kollegen bzw. dem Lektor sind nämlich sehr hilfreich und sollen auch in die richtige Richtung lenken. Außerdem sind in der Verteilung der Credits die Anwesenheitsstunden beinhaltet.

Prüfungen: Durchfallen bedeutet den Kurs gleich noch einmal zu machen. Den Luxus eines Zweit- und Drittantrittes gibt es in Neuseeland nicht. Die Rahmenbedingungen sind also deutlich strenger. Auch von der organisatorischen Abwicklung der Prüfungen war ich sehr überrascht. Nicht einmal meine Matura in Österreich war so strikt: vorgedruckte Antworthefte in denen geschrieben wird, “fremde” Aufsichtspersonen, Patrouillen am WC. Schummeln ist quasi unmöglich und nicht ratsam. Vergehen werden streng geahndet – und zwar mit dem dauerhaften Rausschmiss aus der UNITEC. Trotzdem war meine Prüfung halb so schlimm.

Studying UNITEC

Wissenschaftliches Arbeiten: In Neuseeland wird großer Wert auf wissenschaftliches Arbeiten und korrektes Zitieren gelegt. Vor allem in Essays ist jedes Statement mit einer Referenz zu hinterlegen – da kann die abschließende Literaturliste schon mehrere Seiten lange sein und mehr als 25 Referenzen beinhalten.

Stundenplan und zeitlicher Ablauf: ein Semester besteht aus 13 Wochen (mit Vorlesungen), einer zusätzlichen Study Week (für die Examen) und zwei Wochen in denen die Prüfungen selbst stattfinden. Dazwischen gibt es ein zweiwöchiges Midsemester-Break. Nach insgesamt 18 Wochen ist der ganze Spuk also vorbei. Dafür sind diese Wochen mit den Assignments und Vorlesungen (ein wiederkehrender Stundenplan wie an der Schule) intensiv – allerdings nicht so intensiv, dass sich Wochenend-Ausflüge und die eine oder andere Party nicht ausgehen würden.

Niveau: Meiner Meinung nach ist das Niveau in den Kursen niedriger als in Österreich. Es ist leicht mit genügend Einsatz gute Noten zu bekommen. Ein Problem in einigen Kursen ist allerdings definitiv der hohe Anteil an Studenten mit einer anderen Muttersprache als Englisch. Die Geduld von neuseeländischen Studenten und den Lektoren gegeben über den International Students ist wirklich sehr bewundernswert – oft sind in den Vorlesungen nicht einmal Diskussionen möglich. Die schriftlichen Arbeiten dieser – meistens aus Asien stammenden – Studenten sind allerdings gut.

Studying UNITEC

Resümee: Für mich persönlich hat das Studium an der UNITEC drei Vorteile. Erstens wurde ich mit der Sprache Englisch konfrontiert. Fremdsprachen werden in unserer vernetzten Welt immer wichtiger und ich bin der Meinung, dass jedes Kind zumindest zweisprachig aufwachsen und in der Schule weitere Sprachen lernen sollte.

Zweitens war die Studienzeit – weil ich mich voll auf die Kurse konzentrieren konnte und nicht gearbeitet habe – intensiver und lehrreicher. Ich konnte mich einfach eindringlicher mit den Studieninhalten beschäftigen.

Und drittens – der wichtigste Punkt für mich: Feedback. Durch die intensive Betreuung und die zahlreichen Assignments gibt es zu jeder Arbeit Feedback, das sehr hilfreich für weitere Arbeiten, das zukünftige Studium oder die berufliche Weiterentwicklung sind. Es gibt an der FH Wien zwar abschließendes Feedback zu den Kursen, die Rückmeldung von Lehrenden zu den individuellen Stärken und Schwächen fehlen mir allerdings.

Die Bay of Islands liegen nicht umsonst auf Platz 3 der 101 AA Must-Do’s For Kiwis. Soviel zu sehen und zu erleben in dieser Bucht mit mehr als 140 Inseln (alle entstanden nachdem der Meeresspiegel nach dem Ende der Eiszeit gestiegen ist). Am Samstag etwa waren wir  mit der “Cream-Tour” (ein Boot) einen Tag in der Bay unterwegs, haben Post zu einigen sehr spärlich bewohnten Inseln zugestellt, eine Mittagspause auf Urupukapuka eingelegt und traumhafte, einsame Sandstrände gesehen. Delphine, Pinguine und andere tierische Bewohner der Bay waren unsere Begleiter…

Dolphins (Bay Of Islands)

Ein Pflichtstopp war die östliche Begrenzung des Bay of Island – Cape Brett mit dem berühmten “Hole in the Rock” (am Foto rechts). Eigentlich nur ein Loch, durch das Schiffe passen. Ich kann zwar nicht sagen warum, aber es war beeindruckend mit nur zwei Metern Abstand an jeder Seite durch das Loch zu schippern.

Hole In The Rock (Bay Of Islands)

Die beste Möglichkeit die Bay zu erkunden ist natürlich am Boot, jeden Morgen verlassen zahlreiche private Fischer- und Segelboote Paihia (touristischer Hauptort). Fähren verbinden Paihia mit Russel, einem höchst geschichtsträchtigen Ort. Die Bay of Islands haben neben der wunderbaren Landschaft nämlich auch jede Menge Geschichte zu bieten. In dieser Gegend haben sich nämlich die ersten europäischen Siedler niedergelassen. Russel war die erste Hauptstadt Neuseelands, noch immer gibt es hier die älteste Kirche Neuseelands zu sehen und in Waitangi (nur wenige Minuten von Paihia entfernt) wurde der Vertrag von Waitangi unterzeichnet. Dieser Vertrag ist Basis für das heutige Neuseeland und regelt das Zusammenleben von Maori und europäischen Siedlern.

Boots (Bay Of Islands)

Was natürlich nicht fehlen durfte – ein Stopp in Kawakawa. Ein kleiner Ort kurz vor Paihia, der nur wegen seiner öffentlichen Toilette bekannt ist. Die wurde nämlich von dem Österreicher Friedensreich Hundertwasser geschaffen, sein erstes Bauwerk auf der südlichen Hemisphere. Als Vertrauter mit der Hundertwasser-Architektur (Spittelau, Hunderwasser-Haus, Kirche in Bärnbach) war es fast ein wenig wie Heimat, hier einen kurzen Boxenstopp einzulegen.

Hunderwasser war übrigens Wahl-Neuseeländer und hat von 1973 bis zu seinem Tod 2000 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kawakawa in einem Haus ohne Elektrizität gewohnt. In dieser Zeit hat er etwa auch eine zweite Flagge für Neuseeland entworfen – die Koru. Diese sieht man heute immer wieder.

Hundertwasser Loo (Bay Of Islands)

Eines habe ich an diesem Wochenende auch gelernt: die Kiwis sind Weltmeister im Tourismus. Aus jeder noch so kleinen Besonderheit (oder auch nur Selbstverständlichkeit) wird gleich ein touristischer Hotspot gemacht. Das schaffen die Australier nicht: die 12 Apostles an der Gt Ocean Road (deutlich spektakulärer als das “Hole in the Rock”) wiegen derzeit etwa in einem touristischen Dornröschenschlaf und werden kaum genutzt.

Der nächste Trip (nach Australien) steht übrigens bereits am Donnerstag am Programm – aber jetzt wird gelernt, morgen allerletzte Prüfung auf der UNITEC…